Der schwere Tiger – Panzer: Wunderwaffe oder Propaganda-Instrument?

Einleitung

Bundesarchiv, Bild 183-J14953 / Fotograf: Esselborn 1943, CC-BY-SA 3.0

Schwerwiegende technische Mängel und eine geringe Stückzahl auf der einen Seite, ein beeindruckendes Abschussverhältnis auf der anderen Seite. Am Tiger Panzer der Wehrmacht scheiden sich noch heute die Geister. Schon zu Beginn seiner Produktion sorgte die unzuverlässige Technik des Tiger 1 für Unmut in den Militärstäben und bei seinen Entwicklern. Doch nach einigen Monaten und Einsätzen schien die Presse wie verzückt über die neue „Wunderwaffe“. In der Tat wurde der Tiger Panzer zu einem Liebling der Propaganda. Die anscheinende Unzerstörbarkeit der Panzerung und damit einhergehender Unverwundbarkeit der Besatzung führt nicht selten dazu, dass die Crew unnötige Risiken einging und das ein oder andere Mal ihr Leben riskierte.

Der Gesamtwert der Entwicklung des Tigers und seine Produktion soll sich auf ca. 500 Millionen Reichsmark belaufen. Ob diese hohe Investition das war, was die Militärführung in der zweiten Hälfte des Krieges wirklich brauchte, mag fraglich sein. Respekt gebührt der Industrie, welche innerhalb von nur einem Jahr von Grund auf die ersten Versuchsfahrzeuge schuf und den Truppen damit endlich einen Kampfpanzer gab, welcher den meisten feindlichen Fahrzeugen überlegen war.

Der Tiger Panzer hatte, wie die meisten jungen Panzer auch, Kinderkrankheiten, welche bis zum Ende des Krieges nie ganz ausgemerzt werden konnten. Tatsächlich scheiterten mehr Tiger an Betriebsausfällen als an der Kampfkraft des Feindes. Die Beschwerden darüber, dass der Panzer VI schwierig zu produzieren, zu warten und zu reparieren waren, sollten bis zum Ende des Einsatzes nie verklingen und auch nach dem Zweiten Weltkrieg von seinen Gegnern ständig als Hauptgegenargument angeführt werden. Die Rohstoffknappheit innerhalb der Wehrmacht tat ihr Übriges. Doch wo der Tiger 1 auftrat, verschaffte er sich Respekt bei den Alliierten. Auch sie ließen sich von ihrer eigenen Propaganda häufig fehlleiten und erhoben den Panzer zu der deutschen Wunderwaffe, um ihre eigenen Siege besser aussehen zu lassen. Das Ergebnis war, dass sich alliierte Truppen häufig zurückzogen, wenn sie einen Panzer VI auf dem Schlachtfeld sichteten. Das vergrößerte nur noch den Nimbus und die nachkriegszeitliche Geschichtsschreibung führte die Legenden fort, welche sich um den deutschen Kampfpanzer gebildet hatten.

Diesen Ruf verdankt der Tiger Panzer nicht nur der Berichterstattung auf beiden Seiten. Es war vor allem die Leistung der Industrie und der Besatzungen, die trotz der widrigen Umstände die Legende schufen. Doch was steckt hinter der Legende?

Die Entwicklung des Panzer VI „Tiger“

Die beiden Panzer „Tiger“ und „Panther“ stellten nahezu den Abschluss der deutschen Panzerwaffen im Zweiten Weltkrieg dar. Sie befinden sich am Ende einer langen Produktions- und Entwicklungskette, dessen Beginn in den 30er Jahren zu suchen ist. Diese Fahrzeuge wären nicht möglich ohne Höchstleistungsmotoren, welche die nötige Leistung bei gleichzeitig geringen Platzbedarf aufbringen konnten. Bereits seit 1935 beschäftigte man sich mit der Entwicklung solcher Motoren. Eines der Ziele war es, einen Motor zu finden, welcher einen Panzer antreiben konnte, der schwer genug war, um eine Kanone des Kalibers 75 mm verwenden zu können. Am 28. Oktober traf sich das Heereswaffenamt und besprach die Einsatzmöglichkeiten von Motoren mit 600 PS für einen Großtraktor. Die Daimler-Benz AG schlug den Motor M 71 vor, ein Flugzeugmotor mit einer Spitzenleistung von 600 PS bei 2200 Umdrehungen pro Minute, wenn die Maschine auf einem stehenden Zylinder umgebaut wurde. Der Motor sollte für den Panzerbetrieb auf Diesel umgestellt werden. Das für dieses Modell in Betracht gezogene Triebwerk in Dieselausführung wurde MB 507 genannt. Am 3. Juni 1937 bestellte die WaPrüf 6 zwei Probemotoren, welche schließlich modifiziert und in den Panzerkampfwagen „VK. 3001 (DB)“ verbaut wurden. Schließlich erhielt die Henschel & Sohn AG den Auftrag, neue schwerste Panzerfahrzeuge zu entwickeln. Die ersten Entwürfe für einen Panzerwagen der Klasse 30 Tonnen lieferte 1937 im Auftrag des Waffenamtes Daimler-Benz, Henschel und MAN. Ende 1939 wurde auch die Porsche KG damit beauftragt, an diesem Projekt mitzuwirken. MAN und Daimlers Bemühungen sollten später in die Entwicklung des „Panther“ münden. Es waren jedoch die ersten Prototypen von Henschel und Porsche, welche später zum „Tiger“ genannten Panzer VI führen sollten.

Ab 1937 wurden erste Prototypen des Panzers „DW“ getestet. „DW“ steht für „Durchbruchwagen“ und weist auf die Rolle hin, welche diese Art von schwerstem Kampfpanzer auf dem Schlachtfeld auszuführen hatte. Der Durchbruchwagen hatte die Aufgabe, den Panzerkampfwagen IV zu ersetzen. Er sollte die 7,5-cm-KwK 40 Kampfwagenkanone des Vorgängers verwenden. 1938 wurden die Versuche jedoch eingestellt und die Entwicklungen am DW 2 begannen. Der DW 2 wurde später in den VK 3001 (H) umbenannt. Von ihm wurden lediglich 3 Fahrzeuge gebaut. Andere Versuche dieser Art sollten unter anderem zum „Leopard“ von Porsche führen.

Mai 1941 erhielt Henschel den Auftrag, einen 36 t schweren Kampfpanzer zu entwickeln, genannt 3601 (H). Krupp baute diesem Panzer eine 7,5-cm-Kanone mit konischen Rohr ein. Aufgrund der mangelnden Wolframbestände im Reich wurde dieser Entwurf jedoch wieder aufgegeben. Die Granate der Kanone besaß einen 1 kg schweren Kern, was besondere Anforderungen an die Kanone stellte. In der Zwischenzeit versuchte sich Henschel an einem 65 t Panzerwagen, dem VK 6501, mit einer 7,5-cm-Kanone und einem MG 34 Maschinengewehr. Auch dieses Projekt wurde schließlich aufgegeben, als die Arbeiten am Panzer VI begannen.

Am 26.5.1941 kam es schließlich zu einem Treffen auf dem Berghof, bei dem auch Hitler anwesend war. Bei dieser Besprechung wurden Anforderungen an ein Panzerfahrzeug gestellt, welche als Spitze der Panzerverbände mit 20 Stück je Panzerdivision agieren sollte. Das neue Fahrzeug sollte eine größere Durchschlagskraft als andere Feindpanzer besitzen, stärker als diese gepanzert sein und eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h nicht überschreiten. Hitler forderte, eine 8,8-cm-KwK 36 L/74 für diesen Panzer zu verwenden, was erst einmal verworfen wurde. Es wurden je 6 Prototypen von Porsche und Henschel gefordert, die bis Sommer 1942 fertiggestellt werden sollten. Porsche setzte auf die 8,8 cm Kanone, eigentlich als Luftabwehrgeschütz eingesetzt, und Henschel auf das 7,5 cm Geschützt mit Wolfram. Porsche betrat mit dem luftgekühlten Panzermotor Neuland, ebenso mit dem benzin-elektrische Antrieb seines Panzers. Jeweils zwei dieser 320 PS starken 10-Zylindermotoren trieben zwei Generatoren an. Währenddessen stützte sich Henschel auf die beim VK 3001 (P) gewonnen Erfahrungen, welche schließlich zum Bau des Prototypen VK 4501 (P) führten. Mittlerweile wurde unter Zunahme von Krupp dazu übergegangen, die von Porsche vorgeschlagene und später „Acht-Acht“ genannte Waffe zu montieren. Das Ergebnis, der „Panzerkampfwagen VI, VK 4501 (P)“, kurz „Tiger“ war mit 59 t wesentlich schwerer, als zuvor geplant. Henschel und Prosche produzierten nebeneinander ihre eigenen Prototypen, welche bei Hitlers Geburtstag vorgeführt werden sollten. Aufgrund des Zeitmangels verbauten beide Hersteller bereits in anderen Modellen eingesetzte Bestandteile. Die ersten Prototypen rollten aus den Fabriken, als sie gerade mal ein paar Meter zu Testzwecken gefahren waren. Der von Porsche im Nibelungenwerk hergestellte Tiger Panzer fiel schon bei Versuchsfahrten während der Vorführung aus, während der von Henschel hergestellte Prototyp nur kleine technische Defekte vorzuweisen hatte.

Trotz offensichtlicher Mängel und der Ungewissheit, die mit einigen der neuen Technologien verbunden waren, entschied man sich, die Produktion fortzuführen. Im Sommer 1942 wurde der Tiger 1 von Henschel umfassenden Testfahrten unterzogen, bei dem er fast 1000 km zurücklegte. Auch hier machten sich wieder diverse Mängel bemerkbar. Die Testfahrt des Tiger 1 von Porsche verzögerte sich, da der Kampfwagen unter ständigen Motorproblemen litt. Porsche wurden noch weitere drei Monate gegeben, um seinen Tiger fertigzustellen. Entgegen jeglicher Bedenken begann bereits 1942 die Serienproduktion des Tiger 1. Am Ende stellt der Tiger eine Mischung aus unterschiedlichen Elementen der Panzer von Porsche und Henschel dar. Henschel stellte das Fahrgestell her, während man die 8,8 cm Kanone von Porsche übernahm, nachdem die 7,5 cm Kanone für unzureichend befunden wurde. Krupp hingegen war für die Entwicklung des Turms verantwortlich. Porsche wurde die Produktion des VK 4501 (P) später entzogen, weshalb es der VK 4501 (H) von Henschel sein sollte, welcher zum Tiger 1 umbenannt wurde. Die komplette Bezeichnung war „Panzerkampfwagen VI Sonderkraftfahrzeug 181 Tiger Ausführung E“.

Technische Ausstattung und Besonderheiten des Panzer VI

Der Tiger Panzer stellte in vielen Bereichen eine Neuerung dar und überraschte die Alliierten mit seiner Feuerkraft, der Präzision und der Dicke seiner Panzerung. Aber auch mit den vielen Unzulänglichkeiten und Mängeln, die zu Ausfällen führten. Letztlich wurden weniger Tiger I durch die Alliierten zerstört, als dass sie einfach aufgrund von Defekten zurückgelassen werden mussten. Viele der neuen Bestandteile wurden schließlich nicht oft genug getestet und hätten eigentlich mehr Feinanpassungen benötigt.

Technische Spezifikationen des Tigers

Mit einer Länge von 8,45 m und einer Breite von 3,72 m gehörte der Tiger Panzer zu den größten Kampffahrzeugen auf dem Schauplatz des Zweiten Weltkriegs und mit seinen 57 t zu den schwersten.

  • Länge (mit Kanone): 8,45 m
  • Länge (ohne Kanone): 6,316 m
  • Breite (mit Einsatzketten): 3,72 m
  • Breite (ohne Einsatzketten): 3,14 m
  • Höhe der Wanne: 1,78 m
  • Höhle bis zur Kuppel: 3 m
  • Gewicht im Einsatz: 57,250 t
  • Gewicht beim Transport: 52,250 t

Antrieb/Fahreigenschaften des Panzerwagens

Michael Wittmann auf seinem Tiger 1
Bundesarchiv, Bild 101I-299-1802-08 / Scheck / CC-BY-SA 3.0

Die ersten 250 Tiger Panzer verfügten über einen Zwölfzylinder-Maybach-Motor HL 210 P 45 mit einem Hubraum von 21 Litern. Ab dem 251. Tiger 1 wurde ein neuer wassergekühlter Zwölfzylinder-V-Motor eingebaut mit 23 Litern Hubraum und einer Pferdestärke von 700 PS. Mit diesem Motor erreichten die Panzer VI eine Geschwindigkeit von 45 km/h auf der Straße und 20 km/h im Gelände. Im Rückwärtsgang lag die Höchstgeschwindigkeit bei 9,2 km/h. Dieser Maybach-Motor HL 230 P 45 wurde auch beim Panther eingesetzt. Das Getriebe stammte ebenfalls von Maybach, es handelte sich um einen Olvar Type OG 40 12 16, einem halbautomatischen Vorwählgetriebe mit acht Vorwärts- und vier Rückwärtsgängen. Kupplungs- und Schaltvorgänge wurden nach der Wahl des Ganges selbstständig durchgeführt. Sollte die Automatik versagen, war eine Notschaltung mit der Hand möglich.

Weitere Daten:

  • Oberflächenkontakt: 3,605 m
  • Kettenbreite im Kampf: 720 mm
  • Kettenbreite beim Transport: 520 mm
  • Anzahl der Kettenglieder: 96
  • Gewicht eines Kettenglieds: 26,76 kg
  • Gewicht einer Kette: 2880 kg
  • Federung: Drehstabfederung
  • Anzahl der Laufräder: 4 innen, 4 außen, 8 Zusatzlaufräder
  • Material der Laufräder: Zuerst Gummi, später Stahl
  • Reichweite auf der Straße: 125 km
  • Reichweite im Gelände: 80 km
  • Wattiefe: 1,6 m
  • Bodendruck: 1,03 kg/cm²
  • Bodenfreiheit: 47 cm
  • Steigfähigkeit: bis zu 35°
  • Grabenüberschreitfähigkeit: 2,50 m
  • Kleinster Wenderadius: 1,44 m
  • Lenkungsübersetzung: 1,28
  • Leistungsgewicht: 12,3 PS/t
  • Brennstoffkapazität: 569 Liter
  • Brennstoffverbrauch auf der Straße: 4,32 Liter pro km
  • Brennstoffverbrauch im Gelände: 6,75 Liter pro km

Die Fahr- und Lenkbremse des Panzer VI war als Scheibenbremse ausgelegt, bei der sich die Bremswirkung selbstständig verstärkte. Ursprünglich sollten die Bremsen hydraulisch betätigt werden, jedoch wurde aufgrund von Problemen mit dieser Anordnung eine mechanische Betätigung eingeführt. Das Laufwerk des Tiger 1 bestand an einer Seite aus dem Antriebsrad, 4 Innen- und 4 Außenrädern sowie 8 Zusatzlaufräder. Dazu kamen noch die Drehstabfedern, der Stoßdämpfer und das Leitrad mit Kettenspanner und der Gleiskette. Die Laufräder waren geschachtelt angeordnet und gegeneinander austauschbar. Die drei Laufrollen einer Achse waren an einem Schwingarm aufgehängt. Beim Tiger Panzer kam zum ersten Mal das Schachtellaufwerk zum Einsatz, welches für einen guten Federungskomfort sorgte. Jedoch konnten sich zwischen den Laufrollen Matsch ansammeln und im Winter einfrieren, wodurch der Tiger 1 nicht mehr in der Lage war, sich fortzubewegen. Zu Beginn der Entwicklungsarbeiten stellte sich heraus, dass das Gesamtgewicht zu schwer war für die Tragfähigkeit der Gummireifen. Ein weiteres Laufrat zusätzlich zu jeder Seite musste her. Die Räder des Tiger 1 wurden ursprünglich vom VK 3601 übernommen und führten zu vielen Beschwerden unter den Truppen. Die Hartgummi-Grundfelgen mit Drahteinlagen mussten dauernd ausgewechselt werden, da ihre Lebensdauer sehr gering war. Nach ca. 800 Modellen mit den Gummirädern wurden sie durch gummigefederte Stahlräder von der Firma Deutsche Eisen-Werke ersetzt.

Der Tiger Panzer war der erste deutsche Panzer, welcher mit einem Lenkrad gesteuert wurde. Die vorigen Modelle Panzer I bis IV wurden noch mit Lenkhebeln gesteuerten Kupplungs-Lenkgetrieben bedient. Henschel führte für den Tiger 1 ein öldruckbetätigtes Zweiradien-Überlagerungslenkgetriebe ein. Bei einem Lenkradschlag verzögerte dieses Getriebe die Ketten, so dass eine Kurvenfahrt in jedem Gang möglich war. Durch das neue Getriebe war auch das Wenden auf der Stelle machbar. Im Falle eines Defektes des Lenkgetriebes konnte der Fahrer des Tiger 1 noch immer auf zwei normale Behelfslenkhebel zurückgreifen, welche als Bremsen auf die Ketten wirkten. Der Panzer VI war das erste serienmäßig hergestellte Kraftfahrzeug, welches über eine Scheibenbremse der Argus Motoren Gesellschaft verfügte. Diese Bremse wurde mechanisch mit einem Pedal bestätigt.

Panzerung

Bei der Entwicklung wurde oftmals bemängelt, dass die Panzerung des Tiger 1 ballistisch ungünstig geformt war. Die senkrechten Flächen auf der Panzerung galten damals als rückständig, denn dadurch wies die Panzerung keine geschossabweisende Eigenschaften auf. Trotzdem fühlte sich die Besatzung im Inneren äußerst sicher, was eher auf die Dicke der Panzerung zurückzuführen war. Der Tiger 1 war aufgrund der Panzerung auf normaler Kampfentfernung so gut wie unverwundbar. Die Frontpanzerung bestand aus 100 mm Nickelstahl und war an den Seiten bis zu 80 mm dick. Die Wanne war aus einem Stück Panzerstahl gefertigt, abgesehen von der Front, und war hufeisenförmig gebogen.

  • Frontpanzerung: 100 mm
  • Seitenpanzerung (oben): 80 mm
  • Seitenpanzerung (unten): 60 mm
  • Rückenpanzerung: 80 mm
  • Oberseitenpanzerung: 25 mm
  • Unterseitenpanzerung: 25 mm
  • Gefechtsturmpanzerung (vorne): 100 mm
  • Gefechtsturmpanzerung (Seite): 80 mm
  • Gefechtsturmpanzerung (hinten): 80 mm
  • Gefechtsturmpanzerung (oben): 25 mm
  • Kanonenblende: 120 mm

Bewaffnung

Tiger Panzer an der russischen Front
Bundesarchiv, Bild 183-J14813 / Henisch / CC-BY-SA 3.0

Der Tiger Panzer war, nachdem Henschels 7,5-cm-Kanone verworfen wurde, mit der 8,8-cm-KwK 36 L/56 als Hauptwaffe bestückt. Diese später als Acht-Acht bezeichnete Waffe stellt eine Modifizierung des 8,8-cm-Flaks dar. Jedoch wurde die Schlagzündung durch eine elektrische Zündung ersetzt und die Kanone mit einer Mündungsbremse versehen. Eines der herausragendsten Merkmale des Panzer VI war neben der hohen Durchschlagskraft seiner Hauptwaffe auch dessen Präzision. Auf 1000 m betrug die Treffgenauigkeit beim praktischen Schießen 93 Prozent. Der Tiger Panzer bewahrte 92 Schuss Munition auf, 64 davon befanden sich in den Seitenkästen der Wanne und der Rest in den Seiten des Kampfraumes. Als Nebenwaffe besaß der Tiger Panzer das koaxial angebrachte MG 34 Maschinengewehr. Das Universalmaschinengewehr der Wehrmacht besaß ein Kaliber von 7,92 x 57 mm. Zumeist schoss der Tiger Panzer mit der Panzergranate 39. Die Panzergranate 40 bestand aus einem Hartkerngeschoss aus Wolframcarbid. Da Wolfram jedoch Mangelware war, wurde sie nur selten eingesetzt, auch wenn die Panzergranate 40 eigentlich über mehr Durchschlagskraft verfügte.

  • Hauptwaffe: 8,8-cm-KwK 36 L/56
  • Geschossgewicht (39): 10,2 kg
  • Mündungsgeschwindigkeit (39): 773 m/s
  • Effektive Reichweite: 3000 m
  • Kapazität: 92 Schuss, modifiziert auch 106 oder 120
  • Fernrohr: 2,5fache Vergrößerung, später 5fache
  • Winkel: -6,5° bis +17°
  • Schusshöhe: 2,195 m

Der Gefechtsturm war auf der Wanne aufgesetzt und frei drehbar. Der Lukendeckel für den Ladeschützen und die Kommandantenkuppel befand sich auf dem Turmdach. Die Kommandantenkuppel war zu Anfang mit fünf Sehschlitzen ausgestattet, die aus Panzerglas bestanden. Später verwendete man die beim Panther verbaute Kuppel mit sechs Winkelspiegeln, da die sowjetische Panzerabwehr mehrmals die Kuppel durchschlug.

Richtschütze und Kommandant befanden innerhalb des Tiger 1 links neben der Kanone, der Ladeschütze befand sich auf der rechten Seite. Ein hydraulisches Getriebe schwenkte den Gefechtsturm und war mittels eines Nebenabtriebs mit der Hauptantriebswelle verbunden, welche sich unterhalb des Kampfraumes befand. Mit einem Handrad ließ sich die Kanone feinjustieren, das Drehen des gesamten Turmes um seine eigene Achse dauerte etwa eine Minute. Ist der Motor ausgeschaltet, ließ sich der Turm manuell drehen. Dem Kommandanten des Tiger 1 stand das binokulare Turmzielfernrohr TZF 9b zur Verfügung und damit eine 2,5fache Vergrößerung. Ab 1944 wurde das monokulare TZF 9c verwendet, welches um das Fünffache vergrößern konnte.

Sonstige Ausstatungsdetails

Fahrer und Funker saßen vorne im Tiger Panzer, der Fahrer links vom Schaltgetriebe, der Funker rechts davon. Dem Fahrer stand zur Sicht ein Sehschlitz mit einem Panzerglasbaustein zur Verfügung, welches mit einem verschiebbaren Panzerriegel abgedeckt wurde. Als Radio diente dem Funker das kabellose FuG5 oder das FuG2.

Besonderheiten des Panzers

Tiger 1 Panzer Nordfrankreich
Bundesarchiv, Bild 101I-299-1805-12 / Scheck / CC-BY-SA

Zu trauriger Berühmtheit kam der Tiger Panzer durch seine bereits genannten Mängel. Unter anderem war der Panzer VI akut untermotorisiert, was ihm auch den Ruf einbrachte, plump und schwerfällig zu sein. Hinzu kamen die ständigen Fahrzeugausfälle, die Schäden am Fahrwerk und am Getriebe, die umso schwerer wiegten, weil bis zum Ende des Krieges keine sinnvollen Möglichkeiten gefunden wurden, den Tiger Panzer richtig abzuschleppen. Darüber hinaus waren nur wenige Brücken den 57 Tonnen des Panzer VI gewachsen.

Bisweilen könnte man sagen, dass der Tiger Panzer seiner Zeit voraus war. Eine längere Testphase und bessere Produktionsbedingungen hätten möglicherweise viele der Mängel ausmerzen können. So war Porsches Entwurf des Panzer VI der erste Hybridantrieb der Welt. Porsches Tiger Panzer verfügte über zwei luftgekühlte Zehnzylinder-Benzinmotoren, welche den Strom für zwei Elektromotoren erzeugten. Dadurch konnten die Untersetzungsgetriebe kleiner und leichter gestaltet werden. Jedoch scheiterten seine Tiger Panzer schon bei der Vorführung, die voreilig 90 produzierten Porsche Panzer VI wurden später unter anderem zu den Panzern „Elefant“ umgebaut.

Ausführungen/Versionen/Abwandlungen des Tiger Panzers

Der Tiger Panzer erfuhr in seiner kurzen Geschichte nur wenige Abwandlungen. Am häufigsten trat der Panzerbefehlswagen auf, von dem insgesamt 89 Stück produziert wurden. Man konnte den Panzerbefehlswagen an der am Turn angebrachten Sternantenne erkennen. Das MG 34 wurde demontiert, stattdessen verfügte der Panzerbefehlswagen über ein zusätzliches Funkgerät und der Ladeschütze fungierte als zweiter Funker.

Der Sturmpanzer VI, auch Sturmtiger oder Sturmmörser Tiger genannt, war ein schwerer Sturmpanzer basierend auf dem Panzer VI. Andere Bezeichnungen waren Gerät 817 oder Geschützwagen 606/9. Er besaß einen abgeschrägten Kastenaufbau und statt der 8,8 cm Kanone einen 38 cm Raketenmörser. Aus dem sehr kurzen Lauf schoss er 148,9 cm lange und 345 kg schwere Granaten bis zu 5650 m weit. Trotz des vor allem enormen demoralisierenden Effekts des Geschütztes wurden nur 18 Sturmtiger gebaut. Der Sturmpanzer VI litt unter ähnlichen Mängeln wie der Tiger Panzer.

Einige Frontwerkstätten bauten den Tiger Panzer zu einem Bergepanzer mit einem kleinen Kran um. Die Hauptkanone wurde von den Werkstätten entfernt, damit der Kran leichte Lasten heben konnte. Es waren hierbei die Panzer Tiger von Porsche, die als Fahrgestell umgebaut wurden. Lediglich 5 Stück wurden zu Bergepanzern umgebaut. Zur Selbstverteidigung stand noch immer das MG 34 zur Verfügung.

Einsätze und Stückzahlen

Tiger 1 Panzer in Nordfrankreich
Bundesarchiv, Bild 101I-299-1804-07 / Scheck / CC-BY-SA 3.0

Insgesamt wurden 1.350 Tiger Panzer produziert. 78 davon im Jahre 1942, 649 im Jahre 1943 und die letzten 623 im Jahre 1944. Dann wurde die Produktion eingestellt, während bereits 1943 parallel die Produktion des Tiger II und die des Panthers begann.

Die ersten beiden Einsätze des Panzer VI sollten sich als ein Desaster herausstellen. Das erste Einsatzgebiet für den Tiger Panzer war Russland, genauer bei der Heeresgruppe Nord, die sich zu diesem Zeitpunkt in Mga, in der Nähe von Leningrad, befand. Am 29. August 1942 kämpfte der Tiger Panzer mehr mit dem ungeeigneten Gelände als mit dem Feind. Drei der vier Panzer VI fielen aufgrund von technischen Defekten aus. Im September wurde ihr Einsatz wiederholt, wobei das Gelände dem effektiven Einsatz des Tiger 1 einen Strich durch die Rechnung machte.

Die ersten Erfolge erzielten die Tiger Panzer im Frühjahr 1943. In der Zweiten Ladoga-Schlacht schafften es nur wenige Panzer VI bis zu 160 Feindpanzer abzuschießen. Nur drei eigene Panzer wurden durch feindlichen Beschuss zerstört. In dieser Schlacht stellte sich heraus, dass der russische T-34 keine Antwort auf die Panzerung und die Durchschlagskraft des Tiger 1 besaß. Es zeigte sich, dass die Besatzungen der Tiger Panzer auf 1000 m einen gegnerischen T-34 mit nur einem Schuss zerstören konnten.

In der Schlacht um Kursk nahmen mehrere Tiger Panzer und Panther teil. Der Angriffsbeginn wurde nach hinten verschoben, was unter anderem an den hohen Erwartungen an den beiden neuen Panzern lag. 152 Tiger nahmen an den Kämpfen vom 5. bis zum 16. Juli teil. Auch hier litten die Tiger 1 wieder an technisch-bedingten Ausfällen, konnte jedoch auch viele Abschüsse erzielen, so dass sich teilweise Panik unter den sowjetischen Truppen breitmachte, sobald ein Tiger Panzer gesichtet wurde. Aufgrund der geringen Anzahl der Tiger Panzer und des Umstandes, dass letztlich nur die Hälfte von ihnen einsatzbereit war, hatten sie jedoch einen geringen Einfluss auf den Schlachtverlauf.

„Tigerphobia“ machte sich auch bei den alliierten Truppen auf den Schlachtfeldern in Westeuropa, Italien und Nordafrika breit. Zu großer Berühmtheit gelangte der Tiger Panzer des SS Obersturmführers Michael Wittmann in der Schlacht um die Normandie. Wittmann zerstörte allein mit seiner Besatzung 25 Feindpanzer, 14 Halbkettenfahrzeuge und 14 Universal Carrier in nur wenigen Minuten. Er sollte später als ein „Panzer-Ass“ in die Geschichte eingehen. Während der Landung in der Normandie zeichneten die Alliierten Tiger-Einheiten in ihren Karten ein, so sehr schreckte sie die bloße Anwesenheit der Tiger Panzer ab.

Tiger Panzer wurden in geringen Stückzahlen in der Schlacht von Tunesien eingesetzt, wo sie sich gegenüber alliierten Panzern überlegen zeigten. Die von den USA eingesetzten M3 und M4 waren nicht in der Lage, die Panzerung des Panzer VI unter normalen Umständen zu durchschlagen. Die zwei in Tunesien eingesetzten Panzerabteilungen vernichteten mehr als 300 alliierte Panzer, während die Alliierten nur 7 Tiger Panzer zerstören konnten. Jedoch schafften sie es, zwei Tiger Panzer zu erbeuten und genauer zu untersuchen. Die Alliierten kamen zu dem Schluss, dass der Tiger 1 allen ihren herkömmlichen Waffen überlegen waren.

Taktischer Einsatz

Es war geplant, den Tiger Panzer als kleine, unabhängige Einheiten einzusetzen, welche von Schweren Panzerabteilungen (S.Pz-Abt) geleitet werden sollten. Elf dieser Schweren Panzerabteilungen gehörten zum Heer, drei zur Waffen-SS. Die ersten Einheiten bestanden aus 20 Panzer VI und 25 Panzer III. Ihre Aufgabe war es, die Durchbruchsformation zu bilden, was der ihm eigentlich zugedachten taktischen Aufgabe des Tigers entsprach. Später wurden sie umorganisiert, ein Bataillon sollte aus drei Panzerbefehlswagen bestehen, dazu Kompanien mit drei bis vier Zügen, die jeweils über vier Tiger befehligen sollten. Eine Schwere Panzerabteilung verfügte in der Regel über 45 Panzer und hatte die Aufgabe, bestimmte schwer umkämpfte Gebiete zu verteidigen oder Gegenangriffe durchzuführen. Einige Elite-Truppen hatten das Glück, einen Tiger Panzer für jedes Regiment zugestellt zu bekommen. Darunter die Panzerdivision Großdeutschland, die 1. SS Leibstandarte Adolf Hitler, die 2. SS Das Reich und die 3. SS Totenkopf. Abgesehen von der Panzerdivision Großdeutschland fanden sich Tiger Panzer beim Heer in den Panzerabteilungen 501 bis 511 und der 301.

Zusammenfassung

Was bleibt nun von der Legende? Der Tiger 1 ist in erster Linie ein Panzer wie jeder andere. Ein schweres Kriegsgerät, beheimatet auf den europäischen und nordafrikanischen Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges. Im Vergleich zu den vielen anderen Panzern in diesem Krieg handelt es sich um einen äußerst teuren, schweren und anfälligen Panzer. Zahlenmäßig war er stark unterlegen und konnte trotz seiner Qualitäten, vor allem der Feuerkraft, Präzision und Panzerung, nicht die erhoffte Wende im Krieg herbeiführen. Die technischen Mängel beflecken die Legende, die sich um die enorme Kampfleistung des Tiger Panzers und seiner Auswirkung auf die Moral auf beiden Seiten gebildet hat.

Quellenangaben: Die Bilder stammen,soweit nicht anders angegeben, vom Bundesarchiv und unterliegen der Lizenz CC-BY-SA 3.0. Sie werden auf Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt. Beitragsbild: By Falcon® Photography from France (Panzer VI Tiger I) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Weitere Bilder des Tiger I Panzers

  • Tiger I Schlacht um Kursk

    Bundesarchiv, Bild 101III-Zschaeckel-207-12 / Zschäckel, Friedrich / CC-BY-SA 3.0

  • Bundesarchiv, Bild 183-J05741 / Schwahn / CC-BY-SA 3.0

  • By UnknownUnknown author [Public domain], via Wikimedia Commons

  • Bundesarchiv, Bild 101I-457-0056-12 / Kamm, Richard / CC-BY-SA 3.0

  • Bundesarchiv, Bild 101I-461-0216-37A / Zwirner / CC-BY-SA 3.0

  • Bundesarchiv, Bild 183-J15570 / Wolff/Altvater / CC-BY-SA 3.0

  • Bundesarchiv, Bild 101I-311-0904-21 / Vack / CC-BY-SA 3.0

  • By Hugh Llewelyn from Keynsham, UK (Panzer VI Ausf H Tiger I (SdKfz 181)) [CC BY-SA 2.0]

  • Bundesarchiv, Bild 101I-022-2926-11A / Altvater / CC-BY-SA 3.0

  • By DAVID HOLT from London, England (Bovington Tank Museum 085 Tiger panzer) [CC BY-SA 2.0]

  • By Bundesarchiv_Bild_101I-299-1805-16,_Nordfrankreich,_Panzer_VI_(Tiger_I).jpg: Scheck [CC BY-SA 3.0 de]

Videos zum Tiger 1 Panzer

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